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6 # Lernen 2.0

Virtuelle 3D-Seminare bieten durchaus viel Präsenz

Erfahrungsbericht zu Second Life – mein Beitrag zur 3. Woche des OpenCourse 2011

Der Open Course 2011 ist in vollem Gange, und weil es in dieser Woche um Lerntechnologien geht, hätte ich gern ein wenig mehr Zeit gehabt, um über meine wirklich positiven Erfahrungen mit Veranstaltungen in Second Life zu schreiben, denn ich habe dem Blog-Post von KhPape durchaus etwas entgegen zu setzen. Doch ich schaffe es iin diesen Tagen nicht (und warum nicht, lest Ihr morgen in meiner Wochenrückschau…). Und deshalb bleibt mir hier grad nur, auf meinen Erfahrungsbericht zurückzugreifen, den ich schon vor einer guten Weile in meinem privaten Blog veröffentlicht hatte, und zwar mein Beitrag zur 10. Ausgabe des Blog Carnival von WissensWert zur Frage “Funktionieren eigentlich Online-Seminare und -Konferenzen?” (ein Blog-Projekt an dem der OpenCourse-Initiator Jochen Robes beteiligt ist).

Im Erfahrungsbericht unten gehe ich unter anderem auf eine Second-Life-Workshop-Session ein, die aufgezeichnet wurde, so dass Ihr Euch hier selbst einen Eindruck davon verschafen könnt, wie virtueller 3D-Raum auf eine Weise genutzt werden kann, die das flache Netz (z. B. Ustream, Adobe Connect usw.) für Live-Sessions nicht bietet. Falls Ihr Euch fragt, wer diese Dora Quar ist, die den hier wiedergegebenen Workshop moderiert: Das bin ich bzw. mein SL-Avatar:

Es handelt sich hier um die Aufzeichnung einer Sitzung des Arbeitskreises E-Learning in Second Life, durchgeführt von SLTalk, die zukünftig auch das fakultative Begleitseminar im Social-Media-Fernlehrgang umsetzen. Ich möchte aber betonen, dass es einen großen Unterschied macht, ob man eine Video-Aufzeichnung sieht oder eine Sitzung “inworld” als Avatar live miterlebt!

Jochen Robes hatte damals in einem Kommentar im Carnival-Beitrag von Ellen Trude zugegeben, mit der virtuellen 3D-Plattform Second Life keine Erfahrung zu haben. Deshalb fand ich es reizvoll, den Faden aufzunehmen, den Ellen – aka Jule Tenenbaum (SL) – in ihrem faszinierenden Rundumschlag aus 10 Jahren Praxiserfahrungen in der Entwicklung und Implementierung von eLearning und eTraining begonnen hat zu spinnen…

Seit August 2009 erkunde ich als Dora Quar die virtuelle Welt Second Life. So habe ich zum Beispiel im Oktober 2009 an der eintägigen Konferenz Island Day 09 auf European University Island in Second Life teilgenommen, unter anderem organisiert von der Universität Bielefeld. Meine Geburtshelfer von SLTalk & Partner haben mich schnell auf ihren Arbeitskreis “E-Learning in virtuellen Welten” aufmerksam gemacht. Seit September 2009 nehme ich an den regelmäßigen Sitzungen teil, war aktiv in die Vorbereitung einer Sitzung einbezogen – und konnte am 14. Januar 2010 erstmalig eine AK-Sitzung selbst leiten. Es war übrigens richtig voll: 35 Avatare haben sich die Ehre gegeben…

Meine Erfahrungen als Inworld-Referentin/-Moderatorin

An dieser Stelle möchte ich meine Erfahrungen als Referentin und Moderatorin einer Online-Sitzung des Arbeitskreises eLearning zusammen fassen.

1. Die Kombination aus Voice und Textchat

Etwas, was sicherlich auch andere Online-Plattformen bieten, ist die Kombination aus Voice und Textchat. Es war mir als Impulsreferentin möglich, parallel zu meinem Vortrag die Kommentare im Chat zu lesen und direkt darauf einzugehen (das verlangt ein wenig Multitasking und bleibt ab und zu lückenhaft, ist aber im Prinzip nichts anderes, als wenn Real Life Events mit einer Twitterwall unterstützt werden). Außerdem sind so Randkommentare möglich und es kann spontane Zustimmung oder Ablehnung signalisiert werden, ohne dass dies den Vortragsfluss stören muss.

2. Der Ich-bin-mittendrin-und-nicht-nur-dabei-Effekt

Doch in Second Life kommt etwas hinzu, was 2D-Lösungen nicht bieten: die RÄUMLICHE Verortung, die simulierte Anwesenheit in einem RAUM. Dies sorgt für eine gefühlte Präsenz, die über die bei Video-Konferenzen meines Erachtens hinausgeht. Eine emotionale Involviertheit – auch Immersion genannt – entsteht. Dies ist für den Denk- und Merkprozess von enormem Vorteil.

3. Interventionstechniken wie in Präsenzseminaren auch

Der virtuelle RAUM ermöglicht zudem den Einsatz von Interventionstechniken, die wir sonst nur aus Präsenzseminaren kennen. So habe ich in der von mir geleiteten Inworld-AK-Sitzung viel mit Gruppenaufstellungen nach dem Prinzip der Soziometrie gearbeitet, wie ich sie aus meiner Coaching-Ausbildung kenne. Dia Diqui (im echten leben der 3D-elearning-Experte Matthias Rückel) hat dies in seinem Feedback dies “Abstimmung mit den Füßen” genannt, und tatsächlich bedeutet es schlichtweg, dass alle Teilnehmer/innen sich zu einer Frage positionieren müssen, im wahrsten Sinne des Wortes eben.

Durch diese aktive Beteiligung wird nicht nur die Aufmerksamkeit geschärft, sondern auch das Vorgetragene intensiver aktiv reflektiert und auf sich selbst bezogen, als wenn man still auf seinem Stuhl sitzen bleibt (real oder virtuell). Meine Erfahrung ist, dass dies im Virtuellen tatsächlich genau so gut funktioniert wie im realen – eventuell sogar noch besser, weil die Kameraführung es erlaubt, sich auch mal von oben einen Überblick zu verschaffen, was einem im Realen verwehrt bleibt. Das Schöne an Soziometrie-Aufstellungen in Workshops ist, dass die Gruppe viel mehr über sich, die Zusammensetzung und die einzelnen Teilnehmer/innen erfährt und intensiver ins Interagieren kommt. Second Life bietet ergänzend die Möglichkeit, dass Einzelne untereinander IMs austauschen können (entspricht dem privaten Chat – und dem störenden Flüstern in real Life… im Virtuellen wird die Grupe dadurch keineswegs gestört. So können sich spontane Randgespräche entspinnen, die durchaus frtuchtbar sein können – hauptsache man verliert den Anschluss beim “Hauptgeschehen” nicht…). Angeregt durch die sichtbar gemachten Positionen zu einzelnen Aspekten, können alle schnell untereinander in Kontakt treten.

4. Mehr als nur eine Conferencing-Technik – eine ganze Welt…!

Was Second Life für mich als Conferencing- bzw. eLearning-Tool so überaus attraktiv macht, ist etwas, das so keine andere Software oder Plattform in dieser Weise bietet: Second Life bildet eine Art Welt, in der ich reisen kann. Ich kann schnell andere Orte besuchen – so zum Beispiel die virtuellen Niederlassungen anderer Universitäten. Auf meinen Streifzügen durch Second Life bin ich so zum Beispiel spontan zu einem offenen Meeting der SL-Aktiven an der University of Helsinki dazu gestoßen und wurde herzlich in ihrer Mitte aufgenommen. Und ich habe mich spontan bei den offenen Vorbereitungstreffen der weltgrößten eLearning-Konferenz in Second Life – der “Virtual World Best Practices in Education 2010″ – eingeklinkt. Diese Erfahrungen und spannenden Begegnungen mit anderen eLearning-Experten wären mir in geschlossenen webbasierten Conferencing-Systemen natürlich verwehrt geblieben.

…wie, gar keine Probleme?

Wenn ich hier so begeistert über Second Life als Stellvertreter für virtuelle Welten im Einsatz für Online-Seminare und -Konferenzen spreche, so möchte ich nicht verhehlen, dass es auch Hüprden, Schwierigkeiten und Grenzen gibt. Die größte Hürde ist meines Erachtens im Moment das wirklich stark angeschlagene Image von Second Life. Im Hype verbrannte Erde will von vielen nun nicht (mehr/wieder) betreten werden. Was darüber hinaus an Hürden oft kolportiert wird – der Aufwand, sich mit dem System vertraut zu machen, um sich halbwegs souverän durch SL bewegen zu können, und die Anforderungen an die Grafikkarte und den Arbeitsspeicher im eigenen Rechner – halte ich persönlich für übertrieben. Denn muss man sich nicht mit jedem aufwändigen webbasierten Conferencing-System ausführlich vertraut machen, um es wirklich effizient und kreativ einsetzen zu können? Und mein kleiner alter und günstiger Rechner von Aldi lässt mich in Second Life so gut wie nie hängen.

So weit meine ersten Reflektionen zum Einsatz von 3D-Welten für Online-Seminare und -Konferenzen… Ach ja, und für alle, die sich fragen, wie man denn in Second Life mit Powerpoint präsentiert. Ganz einfach: Die Charts in JPGs umwandeln und ins eigene SL-Inventar hochladen, von dort aus werden sie per virtuellem Laptop auf eine virtuelle Leinwand projiziert

Zu guter Letzt bleibt mir zu sagen, dass ich gerne bereit bin, allen, die sich gern einmal persönlich einen Eindruck von den aktuellen Möglichkeiten von Second Life verschaffen wollen, eine kleine Führung durch die virtuelle Welt zu bieten.

—————————-
Links ins Netz:

Eine fundierte Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken in punkto Teilnehmeraktivierung in Second-Life-Seminaren gibt es übrigens auch im Blog lernenzweinull.de.

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Discussion

4 Responses to “Virtuelle 3D-Seminare bieten durchaus viel Präsenz”

  1. Guten Tag,
    auch ich war seinerzeit auf dieser Veranstaltung Teilnehmer.
    Die Ausführungen hier finde ich sehr exakt und kann sie nur Wort für Wort bestätigen, unterstreichen und bekräftige gern jeden Punkt! Das klingt vielleicht dann etwas langweilig- aber wenn ich halt auch mal nichts einzuschränken und zu meckern finde- da kann man halt nix machen…!
    Wünsche in diesem Sinne weiterhin viel Erfolg!
    Alles Gute- in allen Welten!
    MfG
    BukTom Bloch
    aka
    Burkhard Tomm-Bub, M.A.
    -Freie Bibliothek Pegasus in SL-
    -Projekt LyrikWalk (Begehbare Texte)-
    -Projekt SoKS (Sozial- kreative SIM)-

    Posted by BukTom Bloch aka Burkhard Tomm-Bub | 21. Mai 2011, 14:45

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  1. [...] Blog-Beitrag quer gelesen, der in den vergangenen Tagen geschrieben wurde. Immerhin konnte ich mit meinen Erfahrungen zu virtuellen 3D-Workshops einen Beitrag leisten. Und dann gibt es da ja auch noch meine 10 Gebote und die Umfrage: Mitmachen [...]

  2. [...] fast in Vergessenheit geraten ist. Doch dann berichtete Dörte Giebel endlich über Second Life (hier). Sonst hätte ich es heute noch etwas ausführlicher [...]

  3. [...] Virtuelle 3D-Seminare bieten durchaus viel Präsenz [...]

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