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2 # Neues vom Lehrgang

LMS 2.0 oder: Was leisten Soziale Lernplattformen?

In dieser vierten Woche  setzen wir uns im OpenCourse 2011 gemäß dem Motto “Gehen wir zu Dir oder zu mir?” mit Lernumgebungen bzw. Personal Learning Environments auseinander.

Schnell wurde daraus die Frage nach dem eierlegenden Wollmilchsau-LMS, also…

  • … einem Learning Management System, das
  • - von einer Institution für das formale Lernen bereit gestellt -
  • den Web-2.0-erfahrenen Lernenden
  • einen möglichst durchlässigen und auf Kommunikation sowie Networking ausgerichteten Rahmen
  • für das “frei flottierende” Lernen im Kontext der formalen Weiterbildung (Hochschulstudium mit gemeint) bietet.

Live-Session mit Prof. Dr. Michael Kerres und Jochen Robes

Warum? Weil Menschen, die es gewohnt sind, im Social Web Netzwerke zu pflegen und Inhalte miteinander zu teilen, dies heute eben auch von der Lernplattform des Weiterbildungsanbieters ihres Vertrauens erwarten. So weit, so folgerichtig, nicken wir #opco11-Teilnehmer/innen einvernehmlich. Und fragen uns, ob es sowas wirklich gibt oder geben kann (und wir glücklich weiter leben und lernen können bis an unser Lebensende…)

Da kam Prof. Dr. Michael Kerres auf seinem weißen Rappen dahergeritten und hatte im Gepäck einen Test-Account für den Online-Campus des Duisburg Learning Lab der Universität Duisburg Essen. Und er brachte uns seinen Vortrag, über den wir in der mittwöchlichen #opco11-Live-Online-Session dann ausführlichst intensiv diskutiert haben. (Den Mitschnitt binde ich am Ende des Artikels ein).

Mich haben Test-Account, Vortrag und Live-Diskussion zu mehreren Fragen und Thesen angeregt, die ich hier noch einmal zum Besten geben möchte.

Einschub: das Online-Studienzentrum des ILS und der Fernlehrgang “Social Media Manager”

Das Online-Studienzentrum des ILS lädt ein zum aktiven Austausch mit Studierenden und Fernlehrenden. Bildquelle: www.ILS.de

Bevor ich zur Sache komme, möchte ich noch erwähnen, dass ich bereits im Rahmen meiner Entwicklungsarbeit für den ILS-Fernlehrgang “Social Media Manager” mit vielem davon schwanger gegangen bin.

Auch das ILS verfügt über ein vor wenigen Monaten relaunchtes Online-Studienzentrum, die den social-media-geprägten Bedürfnissen der Fernstudierenden gerecht werden will und Networking sowie Interaktion in den Mittelpunkt rückt.

Im Vergleich mit dem Online-Campus des Duisburg Learning Lab erkenne ich im Wesentlichen einen Unterschied: die Permeabilität ist beim ILS nicht so konsequent umgesetzt, sprich die automatisierte Einbindung externer Feeds (vom eigenen Blog, Twitter- oder Facebook-Account) ist in der Form im System nicht angelegt. Ansonsten, da nehme ich den Mund jetzt mal ganz schön voll, hält das ILS-Online-Studienzentrum dem Vergleich mit dem “Duisburger Modell” durchaus stand…

Im Rahmen der Lehrgangsentwicklung war für mich die Einbindung dieser passwortgeschützten Sozialen Lernlattform in Korrespondenz mit den frei zugänglichen Social Media im Internet schnell ein wesentlicher Bestandteil des didaktischen Konzeptes. Mir war schnell klar, dass Content bei diesem Lehrgang nur die halbe Miete ist, und dass die Akzeptanz des Lehrgangs stark damit stehen und fallen würde, welche Angebote die Fernschule bereit hält, um die Community der Teilnehmer/innen zum Social Learning anzuregen. <Einschub Ende>

Fünf Fragen an eine Soziale Lernlattform (SLP)

1. Was können die Absolventen/innen mitnehmen, wenn sie nach Abschluss der SLP entwachsen?

Institutionalisierter Rahmen und Social Web treffen sich in der persönlichen Lernumgebung des Studierenden

Meine erste Frage gilt der Nachhaltigkeit von Sozialen Lernlattformen, die Teilnehmer/innen zu einem hohen Output und einem hohen Maß an Engagement ins Netzwerkeln verführen wollen: Lohnt sich das auch langfristig, könnten die Teilnehmer/innen zu Recht fragen, bevor sie loslegen? Wie kriege ich die Inhalte, die ich zunächst exklusiv (weil bewusst in einem geschützten Rahmen) hier eingespeist habe, am Ende auch wieder raus? Hierauf gibt auch der Online-Campus von Michael Kerres keine automatische Antwort. Letztlich bleibt es dem Einzelnen überlassen, ein Backup seiner Beiträge manuell auch an anderer Stelle abzuspeichern. (Was mich an das handschriftliche Exzerpt erinnert, dass dafür sorgte, dass alles gleich auch im Kopf gut abgespeichert war, zumindest eher als mit Copy&Paste…)

Ich glaube übrigens, dass es – jenseits der Diskussion um nachhaltigkeit – einen wesentlichen Pluspunkt gibt, den wir in der Diskussion oft zu sehr an den Rand stellen: den Schutz eines passwortgeschützten Raumes. Michael Keres hat das mit Privacy Options umrissen. in Bezug auf den Social-Media-Fernlehrgang bedeutete das zum Beispiel als Vorüberlegung, dass wir niemanden zwingen dürfen, sich irgend wo im Social Web mit Klarnamen anzumelden, wenn er das nicht will.

2. Wie gelingt Community Building diesseits der kritischen Masse?

Warum soll ich auf einer Lernplattform mein Netzwerk doppelt pflegen, werden sich viele Teilnehmer/innen fragen, wenn ich mich mit meiner Peer Group doch auch auf Facebook oder XING vernetzen kann? Und überhaupt: Schön, wenn es denn so viele Teilnehmer/innen sind, denn auch das ist eine ernst zu nehmende Frage: Ist die kritische Masse groß genug, dass ich den Eindruck habe, es lohnt sich, etwas hineinzugeben?

Monika E. König (die @mons7) weist in ihrem Blog-Beitrag zur Mitwochs-Session auf genau diesen Missstand hin, dass so mancher Lehrgang oder Studiengang nicht genügend Teilnehmer/innen zur aktiven Nutzung einer Lernplattform mobilisieren kann, um das Engagement für den Einzenen attraktiv zu machen.

Jetzt könnte ich sagen, dass das ILS mit 80.000 Studierenden so ein Problem nicht kennt, doch da diese sic auf 250 Fernlehrgänge aufteilen und nicht jeder Teilnehmer Internet- oder gar Web-2.0-affin ist (ist zum Teil auch lehrgangsthemenabhängig), gibt es auch dort Foren und Online-Studiengruppen, die belebter sein könnten… Für den Social-Media-Fernlehrgang in ich da guten Mutes.

3. Wieviel Open Course ist in formalen Weiterbildungsstrukturen möglich?

In dieser einen Frage stecken gleich mehrere: In einem AudioBoo hatte ich ja bereits die Frage aufgeworfen, wie viel Autodidaktik in institutionalisierten Kontexten integrierbar ist, ohne dass der Rahmen gesprengt wird. Also wie viel Freiram zum Entdecken und selbstbestimmt gesteuerten Lernen kann ich als Anbieter geben, ohne mir am Ende vorwerfen lassen zu müssen, ich hätte für das Geld meiner Teilnehmer/innen nichts geboten? (Das vertiefe ich mit der nächsten Frage noch.)

Vergleich zw. traditionellen und sozial ausgerichteten LMS

Aber auch:

 

  • Worauf lege ich als Anbieter den Schwerpunkt, auf die Aufbereitung von Inhalten oder auf die Bereitstellung von Strukturen zur Interaktion? Habe ich den Anspruch in Form eines Frontalunterrichts alle Lernhäppchen mundgerecht vorzukauen?
  • Und wie viel Kontrolle muss sein, um am Ende eine Teilnahmebescheinigung oder gar ein benotetes Zeugnis auszustellen? Und wenn ich prüfe, wie groß ist meine Verantwortung als Anbieter, zu gewährleisten, dass die Prüfung im Zweifelsfall auch mit Bravour bestanden werden kann?

Hier lauern für mich die größten Fallen, in die ein Weiterbildungsanbieter tappen kann, denn hier wird er schnell angreifbar (= regresspflichtig).

4. Wofür zahlen Teilnehmer/innen heutzutage: für Content oder Connectivity?

Womit wir auch schon beim Punkt wären, nämlich beim Geld. Mit dem Geld ist das nämlich so eine Sache. Wenn ich es ausgebe, kaufe ich mir damit das Recht, Erwartungen zu haben. Ich will vorher den Beipackzettel lesen und wissen, was ich einfordern kann.

“Content is King” als Mythos? Zu Kongressen gehen auch viele nur wegen des Netzwerkens, oder nicht? #opco11 (Matthias Rückel)

Deshalb würde ich gern einmal den Open Course dahin gehend diskutieren, was er mir letztlich geldwert wäre. (Oh ja, daraus mache ich gleich noch eine schicke twtpoll, denn dadurch wird einiges sichtbar!) Den Ansatz von Monika finde ich da ganz charmant, dass es verschiedene Preismodelle geben könnte, so dass man wählen kann zwischen “nur dabei sein” (ohne Bescheinigung) oder auch “am Ende geprüft (und mit einem Zeugnis ausgestattet) zu werden”.

Mal einfach so angenommen: Wenn ich davon ausgehe, dass im Netz eh schon alles irgendwo veröffentlicht wurde, dann brauche ich für den Content nicht mehr zu zahlen, dann leiste ich mir das besondere Extra an Community, Betreuung, Feedback. Das stellt natürlich ganz neue Herausforderungen an Weiterbildungsanbieter, weil nicht mehr die reine Wissensvermittlung à la Nürnberger Trichter gefragt ist.  (Vielleicht ist das jetzt sogar ein Ansatz, der Gunter Dueck gefallen würde…)

5. Was macht die Qualität eines Weiterbildungsangebotes aus?

Und damit sind wir bei der ales entscheidenden Frage angekommen: Was macht die Qualität einer mit einer Sozialen Lernplattform unterstützten Weiterbildung aus, wenn es nicht mehr nur der aufbereitete Inhalt allein ist?

Michael Kerres fand ich an dieser Stelle besonders ehrlich, als er in der Live-Session (welche Minute, wird nachgereicht…) sagte, es komme eben auch darauf an, eine starke Marke zu sein, die Teilnehmer/innen bindet. Am Ende wollen viele immer noch wissen, was das Zeugnis einer Institution wirklich wert ist, und damit schließt sich der Kreis. Es zählt eben auch das Ergebnis, nicht nur der Prozess.

Übrigens macht Michael Kerres auch darauf aufmerksam, dass es Untersuchungen zufolge weniger die mangelhaft aufbereiteten Studieninhalte seien, die zu enem Studienabbruch führe, sondern die fehlende Bindung über eine Comunity.

Soweit meine Fragen und ein paar vorläufige Antworten… Zu Ende diskutiert ist das ales natürlich noch lange nicht, und ich freue mich darauf, wenn im Juni der Fernlehrgang “Social Media Manager” durchstartet und ich in dem Rahmen mit einem kritischen Community rechnen kann, die garantiert noch viele weitere Fragen aufwerfen wird.

+++++++++

UPDATE 26.5.2011 – zum Weiterlesen:

Mittlerweile sind viele spannende Bog-Beitrge zur gestrigen LIve-Diskussion entstanden, etliche nehmen auf diesen Artikel Bezug:

Wer noch weitere kennt, gern als Kommentar eintragen, ich ergänze dann hier…

+++++++++

So, und hier kommt nun noch der oben versprochene Mitschnitt der heutigen Live-Diskussion:

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Discussion

15 Responses to “LMS 2.0 oder: Was leisten Soziale Lernplattformen?”

  1. Hallo Dörte und danke für diese wirklich gute Zusammenfassung. Besonders die letzten beiden Punkte finde ich gut und wichtig (u.a. weil ich gerade eine Vorlesungseinheit zu Geschäftsmodellen im E-Learning vorbereite): Was wird beim Lernen bezahlt?

    Meine Antwort ist etwas länger geworden: http://anjalorenz.wordpress.com/2011/05/26/wofur-bezahlt-man-im-e-learning/

    Posted by Anja Lorenz | 26. Mai 2011, 00:59
    • Hallo Anja,

      sehr spannend, wie Du die 4. Frage in Deinem Blog-Beitrag weiterdenkst! Ich habe dort ausführlich kommentiert und möchte auch hier die Diskussion fortsetzen.

      Du schreibst:

      “Fast schon ausschließen möchte ich die Überlegung, ob man für das Netzwerken bezahlt: Wenn das so wäre, könnte ich darauf einen Anspruch erheben. Und was passiert dann, wenn die anderen Teilnehmer nicht sehr kommunikativ sind? Bezahlt man dann mehr, je mehr Teilnehmer mitmachen? Wohl kaum. Communities formieren sich an sehr unterschiedlichen Orten. Wohl aber kann man diesen Ort, also die Infrastruktur bezahlen.”

      Ich bin da anderer Meinung. Die Qualität, für die auch Geld verlangt werden kann, kann durchaus darin bestehen, dass mehr geboten wird als nur eine Infrastruktur.

      Zum Anspruch, den bestmöglichen Rahmen zu bieten, um Interaktion, Austausch, vernetzung zu befördern, gehört meines Erachtens auch, dass Community Building mehr ist als nur eine Frage der Software. Und wenn ein Anbieter (sei es eine staatliche Hochschule oder eine private Weiterbildungseinrichtung) den Austausch auf seiner Lernlattform zum USP erhebt, darf ruhig ein wenig Mühe in die Aktivierung der Community gesteckt werden. Diese Mühen sollen wiederum natürlich entlohnt werden, denn der fene Qualitätsunterschied kan tatsächlich sein, ob auf der Sozialen Lernplattform wirklich was passiert…

      In Bezug auf den Open Course 2011 lässt sich unschwer erkennen, dass zum Gelingen vor allem das beiträgt, was über Technik und Content hinaus tagtäglich von den Machern/innen geleistet wird: Sie reagieren auf uns (u. a. indem sie unsere Blog-Artikel im OpCo-Blog einstellen), nehmen unsere Wünsche ernst nimmt (indem sie mehr Partizipationsmöglichkeiten in die Live-Sessions bringen), geben uns Feedback (und sei es wenigstens das, gehört bzw. gelesen worden zu sein, zum Beispiel in Form der wöchentlichen Zusammenfassungen). Wäre nur die Infrastruktur bereit gestellt worden, wäre der Kurs meiner Meinung nach schnell tot gewesen.

      Also haben wir hier ein wesentliches Element, der zum Gelingen beiträgt, und das ist: DER MENSCH.

      Meine 6. Frage lautet also:

      Kann man überhapt eine Soziale Lernlattform aufsetzen, ohne den Faktor Mensch auch auf Seiten des Anbieters verstärkt einzubringen? Braucht es dazu womöglich zusätzliche Manpower? Eine SLP ist ja schließlich mehr als nur der Ablageort für Materialien oder die Notenübersicht.

      Hierzu würde ich gern die Erfahrungen von Michael Kerres mit dem Online-Campus.net hören.

      Viele Grüße, Dörte

      Posted by Dörte Giebel | 26. Mai 2011, 07:49
      • Hallo Dörte (nochmal, verteilte Diskussionen sind ja so 2.0 ;) ).

        Ich glaube, wir haben unterschiedliche Auffassungen des Infrastrukturbegriffs, denn für mich zählt der Trainer und dessen Aktivitäten schon dazu, auch wenn er ein Mensch ist. Die weltweite Lieblingsquelle für erste Recherchen, Wikipedia, definiert Infrastruktur auch als “alle langlebigen Grundeinrichtungen personeller, materieller oder institutioneller Art, die das Funktionieren einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft garantieren”. Letztendlich werden uns mit dem Bildungssystem auch eine Reihe (, wenn auch oft zu weniger) Lehrkräfte zur Verfügung gestellt.

        Unter dieser Voraussetzung bin ich dann voll bei Dir: eine gute Leitung durch die Lernenden fördern ein Gelingen des Kurses. Was nicht heißen muss, dass er (1) bei achso verborten Lernern nicht doch schief gehen kann und (2) nur das Bereitstellen der technischen Infrastruktur durch kompetente Teilnehmer nicht doch zum Erfolg führen kann (siehe Twitter).

        Und damit zu Deiner Frage 6: Ja, die Manpower sollte man unbedingt investieren. Man sollte den Lernenden zeigen, wie man sich dieses Social Learning denn so gedacht hat (***Werbung: http://anjalorenz.wordpress.com/2011/05/16/was-ist-denn-nun-eigentlich-social/ ***) und was sie eigentlich davon haben. Das heißt aber nicht, dass es ohne Anleitung nicht funktionieren könnte, aber warum die Chance vergeben?

        Posted by Anja Lorenz | 26. Mai 2011, 09:59
  2. Hallo Dörte,

    viele wichtige Punkte, viele Fragen, die meist wohl auch nicht abschließend beantwortet weden können.

    Ein Grund: Teilweise bewegt man sich auf Neuland, dort gibt es dann erst mal nur eigene Erfahrungen, Erfahrungsberichte, wenige empirische Untersuchungen auf die man sich berufen könnte. Wenn es die dann gibt, ist Lernen wieder ein so komplexer Prozess, dass man die Ergebnisse aus Laborsettings schlecht übertragen kann.

    Zu 1:
    Es kann sinnvoll sein, nach dem Abschluss einer Ausbildung/eines Studiengangs eine Art Gesamtreflexion zu verfassen (ich schreibe hier absichtlich nicht schreiben). Diese remixed und aggregated alles, was ich im Rückblick wichtig/neu/irritierend fand (o.ä.). Dieses Objekt sollte dann “mitnehmbar sein”, vermutlich nach einer Rückmeldung durch LernbegleiterInnen.

    Andererseits: Ein Konzept/ein Standard, um alle erzeugten Inhalte/Beiträge dem Prosumer mitzugeben wäre ideal. Problem: Eigentlich müssten auch alle Beitragskontexte (z.B. Bezug auf Beiträge von anderen) mitgehen. Somit gilt wieder die erste Anmerkung?

    Zu 2)
    Indem ich die sozialen Online-Phasen mit den sozialen Offline-Phasen stark verbinde. Und stärker strukturiere, m.E.. Die Vermischung formell und informell bleibt aber eine Herausforderung.

    Zu 3)
    Nur eine mögliche Antwort: Inhalt, der nicht bearbeitet (oder gar selbst konstruiert wird) bleibt weniger hängen. Deshalb: Kleine inhaltliche Inputs machen m.E. Sinn, aber der Inputumfang sollte nie mehr Zeit einnehmen, als die Erarbeitung und Verarbeitungsphase.

    Zu 4)
    Ich bezahle ohnehin selten für den Content. Schon früher hätte man sich (ich bemühe das Beispiel immer wieder) viel/alles in der guten alten Bibliothek besorgen können. Aber den Content gemeinsam zu bearbeiten, Feedback zum Vorverständnis zu erhalten, Verknüpfungen aufzuzeigen, Beispiele zu ergänzen und und und…ist der zentrale Unterschied. Hierzu braucht es Menschen. Bzw. in einem bezahlten Kontext: Lehrer, Lehrende, Trainer, Lernbegleiter, Moderatoren (Innen). Dafür zahlt man dann auch. Eine Marke ist dabei allerdings in der Tat schon wichtig – Zustimmung zu Punkt 5 und natürlich hiermit auch zu Punkt 6.

    Viele Grüße

    Timo

    Posted by Timo van Treeck | 26. Mai 2011, 09:35
    • Hallo Timo,

      danke für Deine ehrlichen Worte “Ich bezahle ohnehin selten für den Content.”

      Es ist auch mein Eindruck, dass der reine Inhalt nicht mehr das Besondere sein kann, sondern die Art und Weise der Vermittlung bezahlt wird. Im Internet-Zeitalter steht Wissen zu Hauf bereit, nur ist nicht jeder ein begnadeter Autodidakt und wünscht sich einen Rahmen, der ihm bei der inneren Verarbeitung und erprobenden Anwendung hilft. Und oft genug eben auch ein Zeugnis über das erworbene Wissen…

      Ich bin gespannt, wie sich die Weiterbildungslandschaft (inkl. Hochschule) hier weiter entwickelt.

      Vele Grüße, Dörte

      Posted by Dörte Giebel | 26. Mai 2011, 13:16
      • Im Internet,in der Bibliothek stehen Informationen bereit, einigen wir uns auf explizites Wissen. Wissen als Handlungsgrundlage und Erfahrungswissen existiert ausschließlich im Gehirn. Ansonsten befinden wir uns wieder oder immer noch im Konflikt formales – informelles Lernen und der Frage, wo oder wie geht es schneller efizienter und woher krieg’ ich einen Kompetenznachweis.
        Die Bezahlung eines Lehrenden sollte für Online genauso hoch sein wie Offline, denn die Anforderungen sind gleichhoch, mE sogar höher.

        Posted by H.-G. Renkewitz | 21. Juni 2011, 15:41
  3. Hallo Dörte,

    Du hast mich ja per Twitter explizit Dein Interesse an meinem Feedback geäußert – da will ich es mal versuchen.

    Zu 1: Warum müssen Teilnehmer aus SLP “entlassen” werden, wenn die Weiterbildung vorbei ist? Wäre es nicht gut, wenn diese sich auch weiterhin einbringen können? Dann erübrigt sich auch die Frage, wie sie ihre erbrachten Leistungen mitnehmen könnten.

    Zu 2: Die kritische Masse ist sicherlich immer wieder ein Problem. Nicht bei einem Fernlehrgang zum Thema Social Media. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es bei einem Kurs zum Beispiel zum Thema “Gartengestaltung” schon ganz anders aussieht. Aber auch in der Zielgruppe gibt es bestimmt viele Lerner mit Internetzugang – nur muss man diese viel mehr an die Hand nehmen und dazu motivieren, die SLP zu nutzen. Denn dann kann sich zum Beispiel ein ein reger Austausch dazu entwickeln, ob ich denn die Blumen von oben oder unten gieße usw. Hier ist aber sicherlich ein hoher manueller und individueller Aufwand nötig, um die Sache ins Rollen zu bringen.

    Zu 3: Open Course ist eine schöne Sache. Aber wenn ich eine (kostenpflichtige) Weiterbildung belege, dann möchte ich (persönliche Meinung) es schon etwas zielgerichteter und effizienter haben. Sprich, ich erwarte vorgegebene Strukturen und auch eine Eingrenzung. Möchte ich dann mehr, kann ich mich auf anderen Spielfeldern austoben.

    Zu 4: Sicher, es gibt (vielleicht!) alles irgendwo im Netz. Aber zum einen weiß ich oft nicht wo, zum anderen weiß ich oft nicht, ob die Qualität stimmt. Ich zahle daher bei einer Weiterbildung schon auch dafür, dass ich sehr hochwertigen und gut aufbereiteten, sowie auf meine Bedürfnisse und Voraussetzungen (Vorwissen etc.) aufbereiteten Inhalt erhalte. Der Austausch darüber ist auch wichtig, gerade in einem Fernlehrgang möchte ich halt nicht nur im Selbststudium vor mich hinwerkeln. Aber die Basis bleiben die Inhalte. Und nur ein “schön, dass wir darüber gesprochen haben” reicht mir dabei am Ende nicht.

    Zu 5: Den Mehrwert sehe ich vor allem in Interaktivität und dem eingehen auf die individuellen Bedürfnisse. Der schriftliche Lernstoff ist ja eher starr fixiert, auch wenn ich dort auch entscheiden kann, was ich lese und was nicht. Durch den Austausch (und den nicht nur mit den anderen Teilnehmern, sondern auch mit den Dozenten als Experten!) erwarte ich, dass ich meine ganz konkreten Praxisanforderungen oder Probleme einbringen kann und dafür eine Lösung bzw. Hilfen erhalte. Gestern Abend habe ich zum Beispiel an einem Schnupperwebinar zum Thema Zeitmanagement teilgenommen, dass genau diese Anforderung erfüllt hat. Das vermittelte Faktenwissen wurde gleich auf ganz konkrete eigene Praxisbeispiele angewendet. So stelle ich mir lernen künftig vor.

    Zu 6: Meiner Meinung nach ist die Manpower das entscheidende. Egal wie intensiv der Austausch der Teilnehmer untereinander ist, sollte immer auch der fachliche Experteninput erfolgen, dort wo dies nötig ist. Und, vielleicht noch wichtiger, auch immer wieder eine Motivation zum Austausch, bei Bedarf auch eine leichte Lenkung erfolgen.

    Mir ist bewusst, dass ich hier nicht auf alle Aspekte Deiner Fragen eingegangen bin. Aber ich habe es mir so zurechtgebogen, wie es für mich passt, und was mir dazu wichtig war.

    Beste Grüße
    Markus

    Posted by Markus Jung | 26. Mai 2011, 16:59
    • Hallo Markus,

      vielen Dank für Deine Meinung! Du hast ja selbst viel Erfahrung in diesem Bereich, deshalb dachte ich, ich frag mal nach… :-)

      Ich finde es bezeichnend, dass es in fast allen Deinen Antworten auf eines hinausläuft: die individuelle Betreuung durch Menschen, nicht Maschinen (nicht Software…). Grundsätzlich sehe ich es wie Du, dass gut aufbereitete Inhalte nach wie vor ein Qualitätsmerkmal sind. Doch dazu kommt eben auch die Art und Weise der Vermittlung, und die kann mittlerweile auch aus der Ferne sehr viel direkter, konkreter, individueller und persönlicher gestaltet werden.

      Nun hat aber alles seinen Preis, Manpower erst Recht. Insofern beibt es spannend zu sehen, wie sich Formen der Online-Interaktion so in bestehende Strukturen integrieren lassen, dass a) nicht plötzlich alles synchron und damit zeitgebunden wird und b) der Aufwand auf Anbieterseite für die Teilnehmer/innen bezahlbar bleibt.

      Über Deine Erfahrungen mit dem Webinar zum Zeitmanagement lese ich bestmmt auf Fernstudium-Infos.de mehr, gelle?

      Herzliche Grüße, Dörte

      Posted by Dörte Giebel | 26. Mai 2011, 17:28
  4. Hallo Dörte,

    ja, ich denke diese Entwicklung wird sehr interessant werden, auch was die Kostenseite angeht. Aber zum Beispiel bei Webinaren spart man ja auch Kosten. Nicht nur die Teilnehmer sparen Reisekosten, sondern es fallen auch keine Reisekosten für die Dozenten an, Raumkosten fallen weg usw.

    Meine Eindrücke vom Webinar Zeitmanagement und eine sehr rege Diskussion, die sich daraus entwickelt hat, findest Du in der Tat bei Fernstudium-Infos.de – unter http://www.fernstudium-infos.de/haf/29201-passen-reine-webinare-zu-fernunterrichts-anbieter-2.html#post112609 – ganz kurz zusammengefasst: Es war deshalb gut, weil auf die Teilnehmer so intensiv eingegangen wurde. Das war bei zwei Teilnehmern aber auch noch leicht – bei einem “vollen” Raum wäre das wohl deutlich schwieriger geworden.

    Auch die Gefahr, dass durch synchrone Veranstaltungen der große Vorteil des Fernstudiums in Form der Flexibilität verloren gehen könnte. Ich denke, hier kommt es auf das richtig Maß an, so wie ja auch bisher viele Angebote durch Präsenzveranstaltungen ergänzt wurden.

    Ich werde die spannende Diskussion gerade auch in diesem Blog auf jeden Fall weiter verfolgen.

    Beste Grüße
    Markus

    Posted by Markus Jung | 26. Mai 2011, 20:39

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