>> du liest gerade...

1 # Titelstories

Liker Relations? Sind Gespräche mit Verbrauchern Aufgabe von PR 2.0? [Serie Blogger Relations Teil 4]

Serie “Bloger Relations – Herausforderungen für die PR 2.0″

***

Liker Relations als Aufgabe von PR 2.0?

Die Frage, ob die PR-Abteilung für die Social Media Kommunikation mit (potenziellen) Kunden, Wählern oder Unterstützern (bzw. anderen sogenannten „Endverbrauchern”) zuständig ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten, sondern nur kontrovers diskutieren. Und das will ich hier einmal versuchen…

Zu der Begriffsbildung Liker Relations hat mich übrigens die Auto-Bloggerin Nicole Y. Männl angeregt. Sie meint mit diesem Begriff die Kommunikation auf der Unternehmensseite bei Facebook, doch wenn man “Liker” als Synonym für alle Fans, Followers und Feed-Abonnenten versteht, wird deutlich, worum es geht: Mit den Inhalten, die über die Pressestelle ins Social Web gelangen, werden heutzutage eben nicht mehr nur Journalisten erreicht, sondern im Prinzip auch all jene, die früher erst aus der Zeitung erfahren haben, was der Pressesprecher der Öffentlichkeit zu sagen hatte. Und noch wichtiger: Durch die neuen Web 2.0-Instrumente bleibt es nicht beim Prinzip Broadcasting (dem Aussenden von News als Einbahnstraße), sondern jede News wird Anknüpfungspunkt für einen Dialog zwischen Sender und Empfänger oder für eine öffentliche Diskussion, in die sich der Sender einbringen kann. Die entscheidende Frage lautet nun also: Wer spricht konkret mit den Endverbrauchern? Oder anders herum:

Sind Verbraucher (Wähler usw.) überhaupt daran interessiert, mit dem Pressesprecher zu reden?

Wenn wir dem Cluetrain Manifest Glauben schenken, lautet die Antwort: Nein.

Als Beleg zitieren wir Thesen aus diesem Manifest.

„62. Die Märkte möchten sich nicht mit Phrasendreschern unterhalten. Sie möchten an Gesprächen teilnehmen, die sich hinter den Firewalls der Unternehmen abspielen.”

„68. Der aufgeblasene, selbstherrliche Jargon, mit dem ihr um euch werft – in der Presse und auf euren Konferenzen – was hat das mit uns zu tun?”

„82. Euer Produkt ist uns kaputt gegangen. Warum? Wir würden gerne den Menschen fragen, der es gemacht hat. Eure Unternehmensstrategie macht für uns keinen Sinn. Wir würden gerne mal mit Eurem Vorstand quatschen. Was wollt ihr damit sagen, sie ist gerade nicht da?”

Wie sieht nun die Realität in den Unternehmen aus? In der Regel landet die Anforderung, sich um Facebook-Seiten und Twitter-Accounts zu kümmern, als erstes in der PR-Abteilung, weil es die Mitarbeiter dort bereits gewohnt sind, mit Multiplikatoren auch zu sprechen und nicht nur Mailings zu entwickeln oder Anzeigen zu schalten und Suchmaschinenoptimierung zu betreiben. Gleichzeitig zeigt sich schnell, dass die PR-Abteilung genau so wie die Marketing-Abteilung keine attraktiven Inhalte vorweisen kann, um den Likern einen echten Mehrwert zu bieten. Die wirklich interessanten Informationen sind in anderen Abteilungen im Unternehmen vorhanden: im Kundenservice, in der Produktentwicklung usw.

Nun mag die hier vertretene These, dass PR-Abteilungen oder Pressestellen (hier in der Regel synonym verwendet) nicht die richtige Abteilung für die konkrete Umsetzung von Liker Relations sind, überraschen, nachdem in vorangegangenen Beiträgen dieser Serie (siehe hier, hier und hier) das neue Arbeitsfeld der Blogger Relations ausführlich dargestellt wurde. Aus meiner Sicht ergibt dies durchaus einen Sinn, und zwar folgenden: Mir geht es in erster Linie darum, Zuständigkeiten zu klären. Daher mein Apell: Finden Sie heraus und definieren Sie, welche Personen im Unternehmen namentlich mit Verbrauchern (Wählern, Unterstützern usw.) im Social Web in Kontakt treten sollten – und vor allem warum, sprich mit welchem Ziel, mit welchen Inhalten. Dann werden Sie als PR-Verantwortlicher sehr wohl gefragt sein, weil Sie zum strategischen internen Koordinator und Sparringspartner in der Qualifikation der Kolleginnen und Kollegen werden, die in den öffentlichen Dialog mit den Zielgruppen einsteigen. Sie übernehmen quasi die Rolle des Social Media Managers (solange es diese Stelle in Ihrer Organisation noch nicht besetzt ist), der eben nicht zwingend derjenige ist, der nach außen hin in Erscheinung tritt, sondern der intern konzipiert, koordiniert, schult und für Rückfragen zur Verfügung steht.

In seinem Buch „Social Media Relations” beschreibt Bernhard Jodeleit genau diese Wandlung der PR-Arbeit als Entwicklung vom Pressesprecher zum Kommunikationsmanager:

„Public-Relation-Verantwortliche müssen sich in den nächsten Jahren Schritt für Schritt darauf einstellen, dass Unternehmenskommunikation von der Aufgabe weniger zur Aufgabe vieler wird. Der PR-Entscheider muss, will er Schritt halten, diese vielstimmige Kommunikation orchestrieren. Er wird vom Solisten zum Dirigenten.” (Quelle: Jodeleit, 2010, S. 4)

„Die Mitarbeiter werden
zu Kommunikatoren,
die PR-Leute
zu ihren Coaches.”
(Dr. Thomas Pleil)

So verstanden kann eine PR-Abteilung tatsächlich als erstes mit dem Thema Social Media Kommunikation betraut werden, weil hier die Kompetenzen liegen, an die nahtlos angeknüpft und auf die aufgebaut werden kann. Die Aufgabe der PR-Verantwortlichen mit Social-Media-Know-how wird es zukünftig also sein, andere Abteilungen in die Social Media Kommunikation einzubinden, und zwar nicht nur als Inhaltslieferanten für Ihre Kommunikationsmaßnahmen, sondern auch als eigenständige Akteure im Social Web. Dazu passt sehr schön eine Aussage von Dr. Thomas Pleil (siehe Zitat an der Seite).

Und jetzt werden Sie vielleicht fragen wollen: Was können PR-Agenturen in diesem Zusammenhang dann noch leisten, wenn schon die eigene PR-Abteilung nicht mehr für den direkten Dialog mit den Fans und Followern zuständig sein soll…? Das ist ein anderes Thema, lassen Sie uns darüber ein andermal sprechen…


*****************************************************************************************

Dieser Beit rag ist der Rohtext für das Kapitel 2.3

im Studienheft SoMM 8 “PR 2.0 – Public Relations im Social Web”
im ILS
-Fernlehrgang “Social Media Manager”.

Wer eigene Erfahrungen oder Best Practice wie auch Worst Practice Beispiele für das
Studienheft beisteuern mag, bitte immer gern!
Ich freue mich auch über kritisch-konstruktives Feedback!

*****************************************************************************************

Related posts:

  1. Blogger Relations – Teil 1: Sieben goldene Regeln für PR 2.0
  2. Blogger Relations – Teil 3 | Von Sponsored Posts bis zu Kampagnen: Alles, was geht…
  3. Blogger Relations – Teil 2: Interview mit Oliver Gassner
  4. PR 2.0 – Public Relations im Social Web | Hier entsteht ein Studienheft…

Discussion

No comments yet.

Post a comment

>> Lust zu bloggen?

Gastblogger/innen gesucht!