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6 # Lernen 2.0

#ocwl11 – 1. deutscher Open Online Course in institutionellem Kontext

… und ich bin als Patin dabei.

#ocwli11 - der Open Course Workplace Learning 2011

Am 17.10.2011 startet an der Universität Tübingen ein Open Course zum Thema “Workplace Learning” (Hashtag auf Twitter: #ocwl11). Besser gesagt, es startet das eigentich klassisches Präsenzseminar “Computer Supported Collaborative Learning” im Rahmen des klassischen Präsenzstudiengangs “Psychologie” (Diplom), aber eben angereichert um Elemente eines Massive Open Online Courses (MOOC). Damit geht mein persönlicher Wunsch – den ich hier und hier beschrieben habe) in Erfüllung, dass erprobt und erforscht wird, wie sich Open-Learning-Elemente in bestehende und vor allem institutionelle Lern-Lehr-Formate integrieren lassen. Umso erfreuter war ich, als der Gastgeber Dr. Johannes Moskaliuk mich persönlich anfragte, ob ich Lust hätte, das Projekt als Patin zu unterstützen. Das werde ich nun tun, und zwar gleich in der ersten Seminareinheit vom 24. bis 31. Oktober.

Offline & online, closed & open – wie genau ist das verzahnt?

Das neuartige Lehrformat versucht gleich zwei Herausforderungen zu bewältigen, nämlich

  1. eine Offline-Veranstaltung mit Online-Elementen anzureichern und
  2. eine geschlossene Veranstaltung zu öffnen, so dass auch nichteingeschriebene Studierende teilnemen können.

Da die Seminargruppe, wie mir Johannes Moskaliuk am Telefon berichtete, mit 10 Teilnehmern/innen recht klein sein wird, würde ohne zusätzliche externe Teilnehmer/innen womöglich keine Online-Diskussion in Gang kommen, zumal nicht alle Studierenden social-media-affin sind.

Die Studierenden legen in ihrer Offline-Seminarsitzung vor und diskutieren entlang der vorgegebenen Literatur (die zum Teil auch open online zur Verfügung steht) das Thema der jeweiligen Einheit. Im Anschluss daran schreiben einige eine Art Protokoll und stellen dieses im Kurs-Blog zur Diskussion. Jetzt sind die Online-Teilnehmer/innen außerhalb der Uni am Zug – eigentlich nicht erst jetzt, denn auch sie hatten bereits die Gelegenheit, die empfohlene Literatur zu lesen und sich bloggend auseinander zu setzen. Doch spätestens, wenn die Studierenden sich netz-öffentlich zu Wort gemeldet haben, beginnt der Open-Online-Teil, für den es eine gesonderte – virtuelle – Präsenzveranstaltung gibt, und zwar immer am Montag eine Woche nach der Offline-Veranstaltung (s. Beschreibung der Struktur).

Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Paten/innen?

Damit die Offline-Online-Verzahnung gelingt und ein Dialog zwischen den Studierenden in Tübingen und den virtuellen Teilnehmer/innen aus dem Netz in Gang kommt, verlässt sich Johannes Moskaliuk auf seine engagierten Paten/innen, die er – ganz dem Open-Gedanken geschuldet – öffentlich gesucht hat. Wir (s. Paten-Liste) haben zugesagt, auf den Blog-Beitrag, den die Studierenden im Anschluss an die Offline-Veranstaltung erstellen, mit einem eigenen Bog-Beitrag zu reagieren und somit einen netz-öffentlichen Impuls zu setzen. Wir sind also die Bindeglieder zwischen dem Offline- und dem Online-Teil der Lehrveranstaltung und regen die Netz-Diskussionen an, die dann in folgenden Live-Online-Veranstaltung ihren Höhepunkt finden wird.

… und worum geht es eigentlich inhaltlich?

Nun möchte ich gar nicht nur auf der Meta-Ebene hängen bleiben, sondern mich auch mit den Lehrinhalten auseinandersetzen. Johannes Moskaliuk beschreibt das Thema der Lehrveranstaltung so:

“Zur Teilnahme an der webbasierten Lehrveranstaltung eingeladen sind alle, die sich für die Themen „Workplace Learning“ und „Wissensmanagement“ interessieren. Vor dem Hintergrund der Forschungstradition des „Computer-Supported Collaborative Learning“ stehen dabei kooperative, arbeitsplatzbezogene Lernszenarien im Zentrum des Kurses. Ziel ist psychologische Theorien und empirische Ergebnisse zu verknüpfen und daraus Antworten auf Fragen aus der Praxis zu finden.” (Quelle)

Lernen am Arbeitsplatz und im beruflichen Kontext sowie Wissensmanagement innerhalb von Organisationen ist in meinen Augen die Herausforderung unserer Zeit, in der wir alle zu Wissensarbeitern werden im Laufe eines Berufslebens ständig Neues hinzulernen müssen, um weiterhin professionelle Arbeit leisten zu können. Und da das Internet dabei eine wesentliche Rolle spielt, sowohl in der Bereitstellung von Wissen als auch in der Wissensvermittlung und in der Zusammenarbeit, gilt es hierfür neue Formen zu etablieren. Die meisten Organisationen sind hier noch ganz, ganz am Anfang…

Warum mich das Konzept des #ocwl11 überzeugt

Aus meiner Sicht wird hier ein bestehendes Lehrgangskonzept auf sinnvolle Weise um Open-Elemente ergänzt und somit für die interessierte Öffentlichkeit geöffnet. Die einzige Hürde, die diejenigen, die sich für das Thema interessieren, nehmen müssen ist. Sie brauchen einen Internetzugang. Und schon können sie mit Studierenden, dem Dozenten persönlich sowie weiteren Experten/innen aus der Praxis, die zur Online-Veranstaltung eingeladen werden, diskutieren und sich weiterbilden. Auf der anderen Seite erfahren die Studierenden ein Bereicherung über ihren “Elfenbeinturm” hinaus, sie haben nicht mehr nur sich selbst (zehn Teilnehmer/innen) und den Dozenten als Sparringspartner/innen, sondern bekommen weit mehr Input und Anregung als im Closed Shop.

Offene Fragen ans Konzept und seine Umsetzung in Serie

Natürlich bleibt abzuwarten, wie das Konzept mit Leben gefüllt wird. Und darüber hinaus wird sich zeigen, inwieweit alle Beteilgten einen Mehrwert wahrnehmen. Zudem ist die Frage der Finanzierbarkeit solcher Mischformen nicht endgültig geklärt: Johannes Moskaliuk betonte in unserem Telefonat, dass natürlich auch er diesen Veranstaltungstyp im Rahmen der bestehenden (finanziellen) Strukturen umsetzen muss.

Mich bewegt diese Frage vor allem im Hinblick auf private Weiterbildungsanbieter und deren Kunden. Wo Studierende einer staatlichen Hochschule – auch wenn sie pro Semester eine Studiengebühr bezahlen – noch den Mehrwert eines solchen Open Courses neidlos (gegenüber den nichts-zahlenden externen Teilnehmer/innen) anerkennen können und sich nicht “betrogen” fühlen werden, da könnten zahlende Teilnehmer/innen einer Privat(hoch)schule durchaus empfindlicher reagieren. Der Unterschied zwischen zahlenden und nicht zahlenden Teilnehmer/innen liegt letztlich vor allem in der intensiveren persönlichen Betreuung (zusätzliche Offline-Veranstaltung, mehr Kontakt mit dem Dozenten, Lernerfolgskontrolle) und der Dokumentation einer erfolgreichen Teilnahme (Credit Points oder Zeugnis). Reicht das, um alle Seiten zufrieden zu stellen? Dies gilt es zu erproben, über diesen einen Versuch hinaus…

Doch nun warten wir diesen Versuch erst einmal ab und freuen uns drauf!

Ich werde als Patin hier im Blog meine Antwort auf den Blog-Beitrag der Studierenden veröffentlichen, voraussichtlich irgendwann zwischen dem 26. und 28. Oktober. Stay tuned!

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Discussion

16 Responses to “#ocwl11 – 1. deutscher Open Online Course in institutionellem Kontext”

  1. Liebe Dörte,
    dieser Artikel ist eine sehr gelungene Zusammenfassung eines neuen, spannenden Lehr-/Lernszenarios, dessen Verlauf und Erfolg mich sehr interessiert. Schön, dass es so mutige und fleißige Pioniere gibt. Was die Frage der Betreuungsintensität angeht, denke wird diese hier im besten Fall durch das Konzept der Paten noch deutlich verbessert! Das ist doch ein wesentlicher Mehrwert, der bei diesem Szenario entstehen sollte. Für mich ist das Spannende, ob die Kombination zwischen Open- und Closed-Learning über die von den Studierenden anzufertigenden Protokolle wirklich zu den erhofften Synergien führen und welche Rolle “rollenlose” Teilnehmer dabei spielen. Natürlich spielen die Paten dabei eine entscheidende und verantwortungsvolle Rolle, wobei ich bei den aktuell genannten keinen Zweifel habe!

    Liebe Grüße aus Hameln
    Volkmar

    Posted by Volkmar Langer | 9. Oktober 2011, 19:51
    • Hallo Volkmar,

      so rollenlos ist in dem Szenario der Offline-Online-Verzahnung doch eigentlich niemand, eher ist der Freiheitsgrad unterschiedlich: Die Studierenden *müssen* liefern – die externen Teilnehmer/innen *dürfen* liefern. Und weil letztere eben ganz unverbindlich am Open Course teilnehmen, braucht es Paten/innen, die zur Verbindlichkeit bereit sind, um also zumindest ein Minimum an Austausch zwischen den beiden Gruppen sicherzustellen. Die Paten/innen sind im Prinzip nur zur Verbindlickeiot verpflichtete externe Teilnehmer/innen.

      Solche Paten gibt es unter den Offline-Studierenden übrigens auch, denn schleißlich muss nicht jeder Teilnehmer einen eigenen Blog-Beitrag schreiben, sondern einer bzw. einige wenige haben sich dazu bereit erklärt, das verbindlich zu übernehmen.

      Erinnerst Du Dich daran, wie aufgeregt Jochen Robes war, ob bei seinem Open Course “Zukunft des Lernen” überhaupt etwas passiert…? So ist das, wenn alles open ist. Wir erleben hier tatsächlich eine Mischform, aber wer sagt denn, das es einen MOOC nur in Reinkultur geben *darf*. :-)

      Viele Grüße!
      Dörte

      Posted by Dörte Giebel | 14. Oktober 2011, 16:57
      • Liebe Dörte,

        vielen Dank für Deine Kommentierung und in der Tat, die Motivationsgrade (!) sind sicher unterschiedlich. Die hochmotivierten Studierenden wollen gerne liefern und die „rollenlosen“ Teilnehmer dürfen auch partizipieren. Wäre doch schön, wenn auch die Studierenden größtenteils intrinsisch motiviert und nicht ausschließlich ECTS-motiviert wären.

        Und genau die Mischung macht es ja so interessant. Freilich die Bezeichnung MOOC ist nicht mehr ganz zutreffend, weil eben nicht ausschließlich „open“. Also unsere Kreativität ist gefragt: Welche Bezeichnung könnte diese neue Form des „closed/open“ Lehr-/Lernszenarios bekommen?

        Liebe Grüße aus dem sonnigen Weserbergland

        Volkmar

        Posted by Volkmar Langer | 15. Oktober 2011, 11:00
        • Hi Volkmar,
          ja, die Bezeichnung MOOC ist in der Tat nicht mehr ganz zutreffend. Und wir sollten (deshalb) in der Tat einen neuen Begriff dafür finden.

          Wie wäre es mit

          1) B-MOOC, … also von Blend oder blended… oder assoziiert man dann eher A-Blogger, B-Blooger… und übertragt das dann auf MOOCs?

          2) MOOS (ohne MOOS an der Uni nix loss ;) ) … wie Massive and Open Online SEMINAR

          3) hm… ich hatte vorhin noch eine weitere Idee… fällt mir wieder ein.

          Bis dahin
          @mons7

          Posted by Monika E. König (@mons7) | 15. Oktober 2011, 22:23
  2. Danke für den Beitrag! Ist es ok wenn ich die Blogbeiträge von Netzfaktorei verlinke im Kursblog, siehe hier: http://ocwl11.wissensdialoge.de/blog/

    Posted by Johannes | 9. Oktober 2011, 23:21
  3. Hallo Dörte, erst jetzt komme ich dazu, deinen Beitrag in Ruhe zu lesen, und bin beeindruckt von der in einfacher Sprache gehaltenen Analyse der Grundstruktur und ihrer Probleme.

    Auch wenn cspannagel und Schulmeister es nicht sehen wollen, mein volles Lob! (Werde schon irgendwann mal ganz anderer Meinung sein.)

    Posted by Fontanefan | 16. Oktober 2011, 12:41
  4. Gerade erst gesehen, spannend! Von euren Erfahrungen können wir sicher für unser Web Literacy Lab profitieren. Will stay tuned …

    Posted by Heinz Wittenbrink | 16. Oktober 2011, 12:58

Trackbacks/Pingbacks

  1. [...] (Für mich) Glücklicherweise ist der Kurs folgendermaßen gestrickt, wie die @dieGoerelebt hier so aufschlussreich beschrieben hat: Die Studierenden legen in ihrer Offline-Seminarsitzung vor und [...]

  2. [...] #ocwl11 – 1. deutscher Open Online Course in institutionellem Kontext | . NetzFaktorei Am 17.10.2011 startet an der Universität Tübingen ein Open Course zum Thema “Workplace Learning” (Hashtag auf Twitter: #ocwl11). Besser gesagt, es startet das eigentich klassisches Präsenzseminar “Computer Supported Collaborative Learning” im Rahmen des klassischen Präsenzstudiengangs “Psychologie” (Diplom), aber eben angereichert um Elemente eines Massive Open Online Courses (MOOC). Damit geht mein persönlicher Wunsch – den ich hier und hier beschrieben habe) in Erfüllung, dass erprobt und erforscht wird, wie sich Open-Learning-Elemente in bestehende und vor allem institutionelle Lern-Lehr-Formate integrieren lassen. Umso erfreuter war ich, als der Gastgeber Dr. Johannes Moskaliuk mich persönlich anfragte, ob ich Lust hätte, das Projekt als Patin zu unterstützen. Das werde ich nun tun, und zwar gleich in der ersten Seminareinheit vom 24. bis 31. Oktober.http://ocwl11.wissensdialoge.de/ Source: netzfaktorei.de [...]

  3. [...] ich aber sehe, was bereits schon in twitter #ocwl11, verschiedenen Blogs wie bspweise dem von Netzfaktorei vor dem kickoff fleißig betrieben wird, wird in mir die Stimme wieder laut die ruft: [...]

  4. [...] Monika König und @diegoerelebt, Dörte Giebel haben schon Artikel gepostet, hier und hier, in denen ausgezeichnet erklärt ist, unter welchen Rahmenbedingungen der MOOC (Massive Open Online [...]

  5. [...] Heute startet an der Universität Tübingen ein Open Course zum Thema “Workplace Learning” (#ocwl11), der sicher einen Blick oder gar das Mitmachen lohnt. Dörte Giebel gibt in diesem Post einen schönen Überblick über die Ziele des Kurses, seine Besonderheiten und ihre Rolle als Patin der ersten Woche. Als solche will sie “Bindeglied zwischen dem Offline- und dem Online-Teil der Lehrveranstaltung” sein. Dörte Giebel, NetzFaktorei, 9. Oktober 2011 [...]

  6. [...] mit dem Hashtag #ocwl11 versehen im Netz posten. So bereits vielfältig im Vorfeld geschehen z.B. hier, hier oder hier. Für die sechs Themenfelder wurden zusätzlich Experten für jeweils eine [...]

  7. [...] Ergebnisse der Arbeiten der Studenten reflektieren. So ist unsere liebe Dörte schon bei der ersten Einheit dabei. Wir bei AVAMEO begleiten das Projekt als Pate zum Thema “Grounding in [...]

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