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Das war meine re:publica 2012

(Nicht nur) meine 7 Erinnerungen an die Bloggerkonferenz

Tja, wie kann ich es wagen, nach nur zwei von drei Tagen, ein Resümee zu ziehen, zumal ich den dritten Tag schwänzen werde? Ganz einfach: Bei 4.000 Teilnehmern/innen und 200 Stunden Programm mit acht Sessions parallel, erlebt ja sowieso jede/r seine/ihre ganz eigene re:publica. Außerdem beginnt und endet das Event eh für jede/n ganz individuell, das gilt Tag für Tag, Nacht für Nacht und eben auch insgesamt…

Hier kommen nun also meine ersten 7 Erinnerungssplitter – ich bin mir sicher, dass weitere Nachlesen von mir – vor allem zu einzelnen Sessions bzw. Themen – folgen werden.

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1. Von allem genug!

Die STATION-Berlin hat der re:publica den Sprung in eine neue Dimension ermöglicht. Ich hätte nicht gedacht, dass es funktionieren kann, so viele Menschen und so viele parallel stattfindende Veranstaltungen so kompakt und gleichzeitig so großzügig zu führen und zu platzieren. Und ja, es war zudem ein kleiner Härtetest, den das Hochsommerwetter uns beschert hat, und es war trotzdem noch aushaltbar. Die Idee des Mitnehm-Stuhls passte perfekt, und die wurde – entgegen der Behauptungen auf Spiegel Online – auch eifrig ausgelebt. Von wegen nicht genutzte Freiheit! Dieser Einzelwahrnehmung des Spiegel-Redakteurs möchte ich die meinge entschieden entgegenhalten. Zwischenzeitlich gabs in der Halle wirklich nur noch eine Handvoll Stühle. Das wiederum hat dazu geführt, dass die wunderbaren Affenfelsen freigelegt wurden – doch das ist eine andere Erinnerung (siehe 7.)…
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Ach ja, genug Sessions gabs auch – mehr dürfen es auch nicht sein, will man die großzügige Pausenplanung dazwischen nicht wieder sausen lassen (wehe!). Die Themenbandbreite – und die kosequente Kategorisierung der Sessions – führte dazu, dass es sich eigentlich um mehrere Fachkonferenzen in einer handelte. Das ermöglichte es, sich spontan in Sessions zu Themen zu setzen, zu denen man niemals eine komplette einzelne Konferenz besucht hätte. Ich hab’s auch versucht – und bin nach einer halben Stunde frustriert gegangen, weil ich echt nix verstanden hab von diesem Thema. Nicht so schlimm, bin ich halt spontan zum wissenschaftlichen Bloggen (hier: die Folien zur Session) gewechselt, denn in dem Thema bin ich eher zu Hause…
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Die Print-Twitterwall - Quelle: Christina Pautsch

Es gab auch genügend Tweets mit dem Hashtag #rp12, um damit eine viele Meter lange und hohe Wand zu pflastern – auch dies eine gelungene AKT!ON (siehe dieses wunderbare Zeitraffer-Video dazu), die eigentlich nur die nicht verstanden haben, die nicht vor Ort live dabei waren… Übrigens wurde die analoge Twitterwall immer und immer wieder mit neuen Schichten beklebt. Ja, ganz wie im echten Twitter-Leben… ;-)

 

2. Eben Moglen sollte uns keine Angst, sondern Mut machen!

Mich persönlich – und nicht nur mich (siehe hier, hier, hier oder hier) – hat der diesjährige Key Note Speaker tief beeindruckt (auch wenn seine Rede inhaltlich nach einer halben Stunde fertig war…). Und zwar nicht wegen des ach so apokalyptischen Bildes, das laut Spiegel Online von ihm angeblich heraufbeschworen wurde, sondern wegen der Ermutigung, sich JETZT für freie Medien und freie Software einzusetzen – was DIE ZEIT viel besser herausgearbeitet hat.  Seine eindringlichen Worte wie “Media is consuming us…” sollten uns nicht ohnmächtig vor Angst werden lassen, sondern aktivieren (ACT!ON – you remember?!?). Sein Glauben, dass die Generation, die noch ohne Internet aufgewachsen ist (also wir Internetpeople, die wir uns auf der re:publica tummeln…), die letzte ist, die das Internet jetzt noch in die ethisch richtige Richtung “schubsen” kann, mag für manche zu pessimistisch, für andere naiv klingen. Mich motiviert das.
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3. Kompetenz statt Quote!

Was hab ich mich im vergangenen Jahr über den Backlash und den frauenfeindlichen Umgang mit feministischer Kritik aufgeregt, und nicht nur ich! Die nachträgliche Diskussion der Frage, wie Frauen auf der re:publica mehr Präsenz bekommen könnten, ohne sich auf “Frauenthemen” reduzieren zu lassen, war teilweise unsäglich, nicht ohne Grund frotzelte @ihdl vor dem diesjährigen Event soll ich sexistische kackscheiße aufkleber zur #rp12 mitnehmen?”, doch siehe da! Viele Frauen auf den Podien, in sehr gut besuchten Sessions, und beileibe nicht nur zu “Frauenthemen” – dazu der erfrischende Antritt der Digital Media Women Hamburg, deutschlandweit zu expandieren und vor Ort eine Berliner “Sektion” zu gründen. Gesagt, getan. Auch das ist ACT!ON.
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Einen Wunsch hab ich fürs nächste Jahr: eine Frau als Key Note Speaker! Da wird sich doch eine finden lassen, der wir entsprechende visionäre Kraft und Meinungsführung zutrauen…
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4. Bloggt! Nein, podcastet!

Sascha Lobo versus Tim Pritlove (<– sobald online, verlinke ich direkt auf die Mittschnitte!) – vor der re:publica hätte ich die beiden gar nicht als Duell-Partner gesehen, doch durch das Abklatschen auf Bühne 1, nur getrennt durch die Nacht, bekamen diese beiden quasi direkt aufeinander folgenden Shows Vorträge etwas konkurrierendes. Wo Tim sein Publikum stimmlich umarmend (aber auch inhaltlich!) zu überzeugen sucht, peitscht Sascha eher mit verbale Seitenhiebe ein (hier: ein Protokoll auf tagesspiegel.de), u.a. getarnt als “Startflausch”. Und beide ernten, was sie vorausgesehen haben: Der Blogger wird in Kommentaren auf Twitter auch polemisch kritisiert, der Podcast erntet durchweg positives und vor allem sehr freundliches Feedback.
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Warum ich die beiden – inhaltlich und von der Zielrichtung durchaus unterschiedlichen – Vorträge überhaupt vergleiche? Weil sie beide als Urgesteine ihrer Zunft gehypt gehandelt werden, und ihre Auftritte etwas Finales hatten. Oder wollen wir jetzt auf ewig auf der jährlichen re:publica am Montag Abend zur Primetime dem Sascha und am Dienstag dann dem Tim lauschen? Und was könnten sie uns Neues zu sagen haben? Tim hat sein Lebenswerk auf der Metaebene zusammen gefasst und Sascha hat eine Trilogie (hier: die Mitschnitte aus 2010 und 2011 auf YouTube) vollendet, das hat er selbst zwischen den Zeilen gesagt (er hat die zwei Vorträge aus den beiden vergangenen Jahren zitiert und inhaltlich einiges gerundet)…
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5. Gruppenbild mit Dame…

Zum ersten Mal haben sich immerhin 7 von 16 Autoren/innen des ILS-Fernlehrgangs “Social Media Manager/in” gleichzeitig physisch getroffen – dazu sogar noch eine unserer Teilnehmer/innen (die kurzerhand beschlossen hat, die re:publica zur “Studienfahrt” im Rahmen ihres Fernstudiums zu machen). Und so gab es herzliche Szenen, als beispielsweise Monika E. König und Markus Sekulla, die in kompletter Online-Teamarbeit ein Studienheft (ausgerechnet über Location Based Services) zusammen konzipiert und geschrieben hatten, sich erstmals leibhaftig gegenüberstanden.
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Auf dem Beweisfoto sehr Ihr die Autoren/innen und Fernlehrer/innen (stehend von links nach rechts: Sebastian Dramburg, Christina Pautsch, Dörte Giebel, Jörg Eisfeld-Reschke, Markus Sekulla – knieend: Karsten Wenzlaff (links) und Monika E. König (rechts) sowie in der Mitte von den beiden die Fernstudentin Inge Veil-Köberle:
 

Spontanes ILS-Fernlehrer-Treffen auf der re:pubica 2012 – Bildquelle: Jörg Eisfeld-Reschke

 

 

 

 

6. re:learn als Fortsetzung des EduCamps

Ist das nur mir so sehr aufgefallen, weil Lernen 2.0 mein Herzensthema ist? Diese re:publica hat viele Themen aufgegriffen, die zurzeit auf den letzten EduCamps diskutiert wurden, unter anderem die OER-Bewegung und die ersten Experimente in Deutschland mit dem Format MOOC (Massive Open Online Course) inkl. Forderungen nach mehr Open Science.
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Die Session zu Open Science – Raus aus dem Elfenbeinturm! – Forschung und Lehre zum Mitmachen – bekam eine besondere Dynamik nicht zuletzt durch den Vorstoß von ikosom, ihr Institut im Jahr 2013 komplett gemäß der Leitidee von Open Science zu führen, und diese Leitidee ab sofort in den kommenden Wochen und Monaten öffentlich zu diskutieren und unter Beteiligung der eigenen Dialoggruppen auszuformulieren. ikosom-Gründer Jörg Eisfeld-Reschke hat dieses Vorhaben spontan im Rahmen der offenen Diskussion in der Session vorgestellt und viel Anerkennung geerntet (dummerweise ist mir genau der Mtschnitt verlustig gegangen). Andere Auszüge aus der Session könnt Ihr übrigens hier, hier und hier auf Audioboo nachhören.
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Oliver Tacke (hier: ein Grundlagenartikel von ihm zu Open Science) bietet zur vertiefenden Diskussion übrigens eine eigens angelegte Wikiversity-Seite an. Auf geht’s! ACT!ON!
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7.  Affenfelsen und Flaschenumfalltweets

Als re:publica-Wort des Jahres schlage ich “Affenfelsen” vor, die liebevolle Bezeichnung für die großen Stufen, die zum Draufhocken einluden und ein idealer Treffpunkt zum Verquatschen waren. Selbst Nico Lumma twittert vom Affenfelsen und hat als einer, der erst am dritten Tag anreist, das rp12-Vokabular schon ordentlich verinnerlicht (bricht er mit dem verlinkten Tweet eigentlich eine seiner re:publica-Regeln…?) Übrigens habe ich mehrere Konferenzteilnehmer/innen getroffen, die sich am Nachmittag des zweiten Tages geortet haben, in noch keiner einzigen Session gewesen zu sein – mit dem Gefühl, eine großartige re:publica zu erleben. Auch das ist ACT!ON
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Zu dieser re:publica gehört auch das Geräusch umfallender leerer Glasflaschen während der Sessions – und vor allem die Tweets darüber:
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re:lektüre – weitere Konferenz-Nachlesen, die ich empfehlen kann (wird sukzessive ergänzt):

 

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PS: Als bekennende Event-Vieltwitterin gefällt mir natürlich die die Info-Grafik von buzzrank.de mit einer grafisch aufbereiteten Analyse der Tweets am ersten re:publica-Tag:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Discussion

9 Responses to “Das war meine re:publica 2012”

  1. Herzlichen Dank für den Bericht an die ocwl11-Kollegin, dafür hier meiner aus Stuttgart: http://fontanefanopco11.blogspot.de/2012/05/lernen-und-bildung-im-social-web.html

    Posted by Fontanefan | 4. Mai 2012, 08:53
  2. Hier schon mal das Beweisfoto vom spontanen Fernlehrer-Meetup
    http://twitter.com/#!/joergeisfeld/status/197693179108139009/photo/1

    Posted by Jörg Eisfeld-Reschke | 4. Mai 2012, 09:33
  3. Hallo Dörte,

    sehr schöner Artikel, ich stimme dir zu.

    Besonders der Punkt 6 stimmt: die re:learn (allerdings nur am Freitag, ich war nur an diesem Tag da) war mit vielen vertrauten Gesichtern durchsetzt. Liebe Personen, die vom Educamp her mir fast schon vertraut sind. Sehr angenehm.

    LG Martin

    Posted by Martin Kurz | 6. Mai 2012, 15:34

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