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Herzlichen Glückwunsch, SoMM! Zur Feier ein Interview …


Der Fernlehrgang “Social Media Manager/in” wird ein Jahr alt – und mit wem lässt es sich da besser virtuell anstoßen, als mit der ersten Absolventin dieser 12-monatigen Fortbildung?

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Bianka Blavustyak, dreifache Mutter aus der Nähe von Ludwigsburg, verdient ihr Geld mit Übersetzungen und Lektoratsarbeiten – und neuerdings auch mit Aufträgen im Bereich Social Media. Und für Ihr eigenes Projekt – Attachment-Parenting.de – probiert sich seit dem Abschluss des Lehrgangs sogar als Podcasterin aus.

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Dörte: Liebe Bianka, herzlichen Glückwunsch! Du bist die erste Absolventin im Fernlehrgang “Social Media Manager/in”, der heute auf den Tag genau seit einem Jahr vom ILS und von der Fernakademie für Erwachsenenbildung angeboten wird. Dabei hast Du selbst ja erst im Herbst 2011 mit dem Lehrgang begonnen, der ja auf zwölf Monate ausgelegt ist, und warst bereits im April fertig. Wie kommt es, dass Du so schnell warst?

SoMM-Absolventin Bianka Blavustyak

Bianka: Vielen Dank erst mal für die Glückwünsche! Warum ich so schnell war, ist eine gute Frage. Ich hatte mir eigentlich gar nicht vorgenommen, den Lehrgang so schnell durchzuziehen. Aber dann flutschten die ersten Hefte ziemlich gut durch und ich konnte neben meinen anderen Tätigkeiten immer recht gut auch Zeit für den Lehrgang freimachen. Mein Vorteil ist, dass ich sehr schnell lesen kann und dann auch trotzdem das Gelesene gleich beim ersten Mal behalte, das half mir schon in Schulzeiten. Na, und die guten Noten, die ich von den Fernlehrern für die Einsendeaufgaben bekam, motivierten natürlich zusätzlich.

Dann wurde mir, relativ zeitgleich mit Beginn meiner zweiten Lehrgangshälfte ein tolles Projekt angeboten, das aber viel Zeit in Anspruch nehmen und meine volle Konzentration fordern würde. Ich kann zwar prima Multitasking, aber in dem Fall wären zwei große Projekte zeitgleich einfach für beide Projekte nicht sinnvoll gewesen, also musste ich erst eines (nämlich den SoMM-Lehrgang) abschließen, um dann das andere (übrigens eine Buchübersetzung) anzufangen.

Außerdem bekam ich am Anfang der zweiten Lehrgangshälfte tatsächlich mit, dass es noch keine Absolventen gab, und da dachte ich, es wäre doch absolut cool, die Erste zu sein. Doch, echt, ich hab mir vorgenommen, Erste zu werden – und das klappte ja dann auch!

Dörte: Was hat Dich bewogen, den Lehrgang zu belegen? Und bist Du Deinen Zielen, die Du mit dem Lehrgang verfolgt hast, schon ein Stückchen näher gekommen?

Bianka: Ich wollte vor allem einen Einblick bekommen, wie ich die Sozialen Medien nicht nur privat nutzen kann. Ein Bekannter hatte mich zuvor angesprochen, ich sei doch “ganz fit, was das Internet und Facebook und so” betrifft, ob ich das nicht für ihn und seine Firma übernehmen könne. Das fand ich spontan natürlich genial, mich selbst aber eben doch nicht fit genug dafür, und da kam mir der Lehrgang gerade recht.

Jetzt nach dem Abschluss habe ich das Gefühl, eine gute Grundlage zu haben, auf der ich aufbauen kann und eine Firma im Social Web positionieren – und genau das war auch eines meiner Ziele.

Außerdem möchte ich natürlich das Wissen aus dem Lehrgang für meine eigenen Internetprojekte nutzen. Seit der Geburt meiner ältesten Tochter betreibe ich eine Internetseite zum Thema Attachment Parenting, für die ich auch kleine Schritte in Richtung Social Media unternehme. Leider fehlt mir neben der bezahlten Arbeit für dieses doch eher Hobby-Projekt viel zu oft die Zeit.

Dörte: Wie hat sich denn Dein Verhältnis zum Internet bzw. Dein Nutzungsverhalten im Social Web durch den Lehrgang verändert?

Bianka: Ich war schon vorher viel und gerne im Internet unterwegs und habe diverse Plattformen privat genutzt. Geändert hat sich für mich persönlich vor allem die Art der Nutzung der verschiedenen Plattformen. Es hat sich für mich eine Art Aufteilung in beruflich und privat herauskristallisiert im Verlauf des Lehrgangs und ich nutze inzwischen andere Plattformen für andere Zwecke.

Ein Beispiel: Vor dem Lehrgang war Twitter für mich ein sinnfreier Zeitvertreib für Menschen, die der Welt mitteilen müssen, wann sie wo in welches Brötchen gebissen haben. Im Verlauf des Lehrgangs habe ich mir natürlich auch ein Twitterprofil angelegt, fing dann an, verschiedenen Leuten vor allem aus dem Social Media Bereich zu folgen und stellte schnell fest, dass man Twitter auch sehr gut als unglaublich aktuelle Nachrichtenquelle nutzen kann. Inzwischen ist Twitter für mich so etwas wie meine Haupt-Informationsquelle. Als Social Media Managerin muss man immer “am Ball bleiben”, was relevante Netzwerke und das Internet und alles, was eben dazugehört, betrifft. Man kann aber selber gar nicht wirklich alles im Internet oder sonstwo zu diesen Themen durchschauen. Muss man aber auch gar nicht, es reicht, Menschen zu folgen, die gleiche oder ähnliche Interessen haben. Im Lauf des Tages kommen dann in kurzen, schnell zu scannenden Botschaften so viele Links zu interessanten Berichten in den eigenen Twitterstream, die man selber nicht oder erst später gefunden hätte… Auch wenn ich natürlich nebenbei auch Privates twittere und auch Privates anderer Personen in meiner Timeline auftaucht, das Spannende sind eben doch die interessensrelevanten Links, die ich mir abspeichere und in einer ruhigen Minute durchschaue und evtl. danach weiterverbreite oder -verarbeite.

Auch gelernt habe ich aber im Verlauf des Lehrgangs, dass ich auch mal ohne Internet leben kann und dass mir internetfreie Zeiten gut tun. Ich muss nicht immer erreichbar sein. Ich lese auch unterwegs immer meine Mails, auch im Urlaub, wenn das geht, aber nur noch aus Neugierde, nicht mehr aus einer gefühlten Verpflichtung heraus. Ich muss nicht mehr sofort darauf antworten und mach das auch nicht, es sei denn, es ist wirklich Gefahr im Verzug.

Dörte: Wir wollen mit dem Lehrgang ja Social Media Manager/innen ausbilden, die in Organisationen einen professonellen Umgang mit dem Social Web etablieren – professionell im besten Sinne, das heißt für mich nach wie vor: im Sinne des Cluetrain Manifestes! Wie definierst Du eigentlich Professionalität in Bezug auf Social Media Kommunikation?

Bianka: Professionell heißt auch für mich, immer auf Augenhöhe mit den Menschen zu bleiben, immer authentisch zu kommunizieren und trotzdem irgendwie die Belange und Ziele des Unternehmen nicht aus den Augen zu verlieren. Mein Auftraggeber hat natürlich in den Sozialen Medien immer ein eigennütziges Interesse. Ich glaube, es gibt keine Firma, die sich irgendwo nur aus altruistischen Motiven heraus positioniert. Da muss ich als Social Media Managerin eben in gewisser Art vermitteln und meinem Auftraggeber klarmachen, dass er nichts zurückbekommt, wenn er nichts gibt, mal ganz allgemein gesprochen. Natürlich bin ich der Firma oder Person irgendwie verpflichtet, die mich bezahlt, aber ebenso sehe ich für mich persönlich eine Verpflichtung den Menschen gegenüber, die offene, ehrliche und authentische Kommunikation erwarten und verdient haben.

Dörte: Ich stell jetzt mal eine ketzerische Frage: Online-Kommunikation aus gedruckten Studienheften lernen – geht das…?

Bianka: Ja, die Frage wirkt tatsächlich ein wenig ketzerisch. Allerdings bin ich selbst ein Verfechter des gedruckten Buches und kann E-Books beispielsweise so gar nichts abgewinnen, daher geht das für mich schon in Ordnung mit den gedruckten Studienheften. Man lernt ja auch nicht wirklich nur mit diesen analogen Heften, sondern bewegt sich mit deren Hilfe von Anfang an in der digitalen Welt.

Andererseits muss ich aber auch zugeben, dass ich persönlich beinahe ausschließlich mit der App für’s iPad gelernt habe und ein klein wenig mit den pdf-Dateien der Hefte – also fast 100% digital. Die gedruckte Version war mir meist dann doch zu “unbequem”, gerade was die vielen Links und Videos betrifft. Die Hefte stehen mehr oder weniger unangetastet im Regal – ich nutze sie aber jetzt nach Abschluss des Lehrgangs als eine Art Nachschlagewerk, vor allem was die aufgeführten Beispiele betrifft.

Dörte: Und was hältst Du insgesamt von dem Betreuungskonzept im Fernlehrgang?

Bianka: Dazu kann ich nur sagen: Hut ab! Die Betreuung ist absolute Spitze! Meine Fragen wurden unglaublich schnell beantwortet, sowohl die themabezogen an die Fernlehrer gestellten als auch diejenigen, die eher organisatorischen Ursprungs waren. Auch die Bearbeitungszeiten der Einsendeaufgaben waren immer absolut top! Kaum eingesandt war die Aufgabe schon korrigiert zurück, oftmals quasi über Nacht! Da wird man beinahe schon verwöhnt und wartet hibbelig, wenn einer der Fernlehrer für die Korrektur doch mal ein paar Tage länger braucht. ;)

Dörte: Was waren eigentlich Deine Lieblings-Studieneinheiten?

Bianka: Meine absolute Lieblings-Studieneinheit ist und bleibt das Heft zum Thema Podcasts. Dabei war genau das eigentlich fast ein Grund, warum ich mich beinahe nicht angemeldet hätte! Doch, ehrlich! Ich hatte irgendwo im Netz gelesen, man müsse einen Podcast erstellen – nur erstellen, nicht veröffentlichen – und weil ich mich selber so gar nicht gerne reden höre, hätte ich beinahe aus diesem Grund das Studium doch nicht gemacht.

Im Nachhinein war das völliger Quatsch! Das Test-Podcasten für die Einsendeaufgabe hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich es unbedingt weitermachen wollte und inzwischen einen eigenen Podcast veröffentliche.

Dörte: Hast Du eigentlich im Laufe des Lehrgangs Vorbilder für Dich gefunden – Menschen oder Organisationen, die in Deinen Augen einen wirklich guten “Job” im Netz machen?

Bianka: Was ich schon zuvor sehr spannend fand und immer noch super finde, ist die Social Media Arbeit meines Lieblingstheaters (Theater Heilbronn). Die haben vor nicht allzu langer Zeit wirklich umfassend mit Social Media angefangen und betreuen Blog, Facebook, Twitter, Flickr, Youtube…. einfach alles – und alles wirklich gut! Da würde ich gerne mal einen Monat Mäuschen sein in der Abteilung, die das alles macht und hinter die Kulissen schauen.

Ansonsten finde ich es gerade spannend zu sehen, wie die Neuen Medien doch endlich auch Einzug in die Köpfe unserer Politiker zu finden scheinen. Zumindest, was deren Nutzung angeht, über irgendwelche Gesetzentwürfe zu diesem Thema schweige ich jetzt lieber. Der twitternde Regierungssprecher legte eine prima Show hin auf der re:publica, immer mehr Minister und Ministerien und so twittern… Das finde ich gut und auch wenn es bei manchen noch wirklich unbeholfene Anfänge sind, freue ich mich, dass man sich auch “in diesen Kreisen” endlich da rantraut!

Und es gibt natürlich viele Firmen, vor allem kleinere Start-Ups, aber auch bei den großen, renommierten, die wirklich gute Social Media Arbeit machen, die kann ich jetzt unmöglich alle aufzählen!

Dörte: Geburtstag feiern ist ja meistens auch mit guten Wünschen verbunden… Was möchtest Du denn dem Lehrgangsteam fürs zweite Jahr mit auf den Weg geben? Konkret: Wo können wir besser werden? Welche Themen sollten stärker berücksichtigt werden? Was ist aus Deiner Sicht eventuell sogar überflüssig?

Bianka: Erstmal natürlich alles Gute zu diesem Jubiläum! Ich denke, das Lehrgangsteam kann stolz sein auf dieses erste, sehr erfolgreiche Jahr. Eigentlich habe ich nicht so wirklich Verbesserungsvorschläge, ich war und bin sehr zufrieden mit diesem Lehrgang. Die Themenauswahl war gut und sehr aktuell, da fehlte nichts und war auch nichts überflüssig.

Doch, einen kleinen Umweltschutzgedanken würde ich gerne noch anbringen: Vielleicht könnte man ja doch auf die gedruckten Hefte verzichten oder diese sozusagen nur noch on demand herausschicken in der jeweils aktuellsten Version. Aber eben nur, wenn jemand sie direkt anfordert. Keine Ahnung, ob das überhaupt geht, so rein organisatorisch….

Dörte: Die Anregung gebe ich gern weiter. Und zum Schluss drehen wir den Spieß doch einfach mal um: Gibt es irgend etwas, was Du mich gern mal fragen möchtest?

Bianka: Was ist Deine Zukunftsvision für den Lehrgang? Oder – ganz spontan – welche Idee für den Lehrgang würdest du am allerliebsten sofort umsetzen, wenn du dürftest?

Dörte: Da muss ich nicht lange nachdenken. Ich bin ja ein Fan der Open Content Ansatzes und würde am liebsten ein Geschäftsmodell entwickeln, das es erlaubt, die kompletten Studienunterlagen des Lehrgangs kostenfrei zugänglich zu machen – gezahlt würde dann für die Betreuung, die Lernerfolgskontrolle und das Abschlusszeugnis. Wozu ich auch riesige Lust hätte: Einen Massive Open Online Course (MOOC) rund um die Lehrgangsinhalte zu organisieren und auf diese Weise Fernstudierende mit am Thema Interessierten außerhalb des Lehrgangs in Kontakt bringen. Beide Ideen sprengen im Moment ein wenig den Rahmen – aber wer weiß, der Lehrgang ist ja noch jung… :-)

Ganz herzlichen Dank für das spannende Interview, liebe Bianka!

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Discussion

4 Responses to “Herzlichen Glückwunsch, SoMM! Zur Feier ein Interview …”

  1. Da bekommt frau ja so richtig Lust, das auch auszuprobieren!
    Glückwunsch an SoMM, mögen die folgenden Studenten genauso motiviert sein!
    Und Glückwunsch Bianka, viel Erfolg bei Deinen Arbeiten!

    Posted by Nate | 20. Juni 2012, 09:18

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