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6 # Lernen 2.0

Lernen 2020 – Welche Vision ist realistisch?

Mein Beitrag zur Blogparade von Nico Kirch: “Wie sieht das Lernen im Jahr 2020 aus?”

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“Mich interessieren Eure Visionen: Wie sieht das Lernen im Jahr 2020 aus?” fragt Nico Kirch in die Netzgemeinde – und hat schon zahlreiche Antworten bekommen, unter anderem von meinen SoMM-Kollegen/innen Monika E. König (sehr visionär!) und Andreas Mertens (mit neuen Fragen…) sowie von einer SoMM-Teilnehmerin Katja Grintsch (mit Schule im Fokus).

Wo die Reise hingeht, haben ja schon ganz andere versucht zu beantworten – jedes jahr aufs Neue wagt zum Beispiel der Horizon Report (hier das PDF des ins Deutsche übersetzten 2012er Reports) einen Blick in die Glaskugel. Zum aktuellen Report fand jüngst sogar ein Open Course statt, der opco12.

Eine Zusammenstellung der Trend-Prognosen der Horizon Reports von 2005 bis 2012 zeigt, dass sich längst nicht alles auch so zur Wirklichkeit formt, wie es Experten – und das nur zwei bis fünf Jahre  – vorhergesehen haben:

Welche Vision ist realistisch?

Das Jahr 2020, das Nico Kirch heraufbeschwören möchte, beginnt ja schon in sieben einhalb Jahren… Das bedeutet:

  • Menschen wie ich – also alle über 30 – sind dann schlichtweg ein bisschen älter, und wir versuchen, mit der Zeit zu gehen und neuen Entwicklungen in der (Weiter)Bildung aufgeschlossen gegenüber zu stehen.
  • Menschen, die heute zur Schule gehen und sich ganz selbstverständlich mobil im Internet bewegen und ihr soziales Leben via Facebook organisieren, stürmen dann an die Universitäten und an die Berufsschulen und haben bestimmte Erwartungen, wie sich Lernen gestalten ließe.
  • Menschen, die in sieben einhalb Jahren eingeschult werden, kennen nur eine Welt MIT Tablets und Smartphones und einem Internet, das meine Generation heute noch “Social Web” nennt (Sie dürfen ja schon als Dreijährige Ihre tägliche Dosis Kinderfernsehen auf YouTube – und zwar auf einem Tablet – sehen, zumindest ist das bei dem Patenkind meines Freundes der Fall).

“Trotzdem” glaube ich nicht, dass sich die Lernwelt in den kommenden sieben einhalb Jahren revolutioniert haben wird. Es wird von manchem, was heute noch recht innovativ daherkommt, ein bisschen mehr geben, und dieses auch immer selbstverständlicher – und dazu zählt meines Erachtens: Mehr digital und online, mehr mobil und per Tablet, mehr nach dem Open-Prinzip und selbstgesteuert.

Die Grenzen zwischen Offline/Präsenz-Lernen und Online/Distance-Lernen verschwimmen.

Die erste wesentliche Entwicklung wird meines Erachtens ein Verschwinden der Grenzen zwischen Offline/Präsenz-Lernen und Online/Distance-Lernen sein. Präsenzlernen wird durch Online-Elemente ergänzt, DistancE-Learning wird virtuelle Live-Events einbeziehen, und die Lerncommunity und das Peer-tp-Peer-Lernen wird überall eine wesentliche Rolle spielen, in jedem Lern-Lehr-Konzept, sei es nun Präsenzunterricht oder Fernunterricht.

Dieses Verschwimmen der Grenzen stellt Anbieter vor ganz neue Herausforderungen (= Erwartungen der Teilnehmer/innen). Die Klientel, die sich für Fernunterricht interessiert, wird beispielsweise eine sein, die genau so viel Kontakt zu Mitstudierenden und Live-Austausch mit Lehrenden erwarten wie in Präsenzszenarien.

Open Educational Ressources verlangen nach neuen Geschäftsmodellen.

Die zweite wesentliche Entwicklung ist meines Erachtens der Trend zu mehr Open Educational Ressources. Vielleicht lagen Karlheinz Pape und ich mit unserer Open Content Academy gar nicht so falsch. Der Druck, Unterrichts- bzw. Studienmaterialien frei zur Verfügung zu stellen, wird wachsen, nicht zuletzt weil einzelne Institutionen vorlegen, zum Beispiel die Open University oder die MIT).

 

 

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Warum geht das alles nicht schneller? Weil auch in sieben einhalb Jahren die Angebote an Schulen und Hochschulen von Menschen gestaltet werden, die noch ohne Social Web und ohne Mobile Devices sozialisiert wurden und die das alte Urheberrecht verinnerlicht haben.

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  1. [...] Darauf hat es schon interessante Rückmeldungen gegeben, z.B. von  Monika König oder von Dörte Giebel. [...]

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